Die Windrad-Panikmaschine
Zum Start des Blogs möchte ich erstmal auf einen wirklich lesenswerten Text über Desinformation rund um Windkraft und erneuerbare Energien hinweisen.
Manchmal recherchiert man zu einem Thema und stolpert dann über einen Artikel, bei dem man irgendwann merkt: Verdammt. Der hat gerade schon ziemlich genau das aufgeschrieben, was man selbst eigentlich schreiben wollte.
Genau so ging es mir mit diesem Text von Stefan A. K. Weichelt:
Ausgangspunkt ist eine Untersuchung von CASM Technology und WindEurope. Dafür wurden zwischen 2024 und 2026 fast 43.000 Anti-Windkraft-Beiträge auf Plattformen wie Facebook, X, TikTok, YouTube oder Instagram ausgewertet.
Das Ergebnis ist ziemlich bemerkenswert:
Rund zwei Drittel der Beiträge wurden als Desinformation oder Fehlinformation eingestuft.
Also nicht einfach nur zugespitzte Meinung oder politische Kritik, sondern Geschichten über angebliche Krebsgefahr durch Windräder, vergiftetes Trinkwasser, verursachte Waldbrände, Stromnetz-Zusammenbrüche oder sogar die Rückkehr der Pest durch Windparks.
Und genau das macht den Artikel interessant. Nicht die Frage, ob man Windkraft schön findet oder ob jedes Projekt sinnvoll geplant ist. Darüber kann und muss man diskutieren.
Spannend ist vielmehr die Frage, warum sich diese Erzählungen in vielen Ländern plötzlich so stark ähneln.
Der Artikel beschreibt dabei ein ganzes Ökosystem aus politischen Akteuren, sozialen Medien, Reichweitenportalen, Aktivistengruppen und wirtschaftlichen Interessen. Vieles davon wirkt beim Lesen erstmal wie klassische Internet-Aufregung. Aber je weiter man liest, desto deutlicher wird: Dahinter steckt längst ein handfester geopolitischer und wirtschaftlicher Konflikt.
Denn am Ende geht es nicht nur um Windräder.
Es geht um Geld. Um Energieabhängigkeit. Um fossile Geschäftsmodelle. Und um die Frage, ob Europa langfristig seine Energie selbst erzeugen kann oder weiterhin jedes Jahr Milliarden an Öl- und Gasexporteure überweist.
Besonders stark fand ich dabei einen Gedanken, der im Alltag oft untergeht:
Desinformation funktioniert selten über die eine große Lüge. Sie funktioniert über permanente Wiederholung. Über tausende kleine Beiträge, Schlagzeilen, Videos und Kommentare, bis irgendwann selbst offensichtlicher Unsinn plötzlich „irgendwie plausibel“ wirkt.
Und genau das erlebt man inzwischen gefühlt bei fast jedem gesellschaftlichen Thema.
Der Artikel gehört für mich zu den bessten Texten, die ich in letzter Zeit zu diesem Thema gelesen habe. Vor allem, weil er versucht, die größeren Zusammenhänge sichtbar zu machen statt nur einzelne Schlagzeilen abzuarbeiten.
Daher eine absolute Leseempfehlung von mir:
👉 https://stefanakweichelt.substack.com/p/sie-wollen-nicht-dass-wir-frei-werden
Mal unter uns: Wenn öffentliche Debatten irgendwann nur noch daraus bestehen, wer die stärkste Empörung produziert, statt wer die belastbarsten Informationen liefert, dann haben wir als Gesellschaft ein deutlich größeres Problem als die Frage, wo das nächste Windrad steht.